Konzept von Leben und Tod

Ein 9jähriger hat seine 13jährige Schwester erschossen. So weit so bizarr. Mein erster Gedanke war: Vermutlich so geschehe in Amerika. Wer hätte das gedacht, es war tatsächlich in Amerika – das hat es schon mal weit weniger bizarr wirken lassen.

Schelmisch mag man an der Stelle meinen: Schade eigentlich, dass die Schwester keine Waffe hatte. Sonst hätte sie sich bestimmt wehren können.

Weitaus bizarrer finde ich, dass 1. wieder die alte Gewalt-und-Spiele-Diskussion raus geholt wird, anstatt sich zu fragen, wie der Knabe überhaupt wieder an die Waffe gekommen ist oder welche sozialen und psychologischen Probleme da im Hintergrund stehen. Denn hätte er keine Schusswaffe gehabt, hätte er seiner Schwester wohl das Nudelholz übergezogen. Von dem her nimmt das nicht mal etwas.

Aber wie kann es überhaupt dazu kommen? Spiele sind es erwiesenermaßen ja nicht, sodass hier ganz andere Probleme zugrunde zu legen sind. Aber die sind komplexer und werden deswegen gern ausgeklammert.

Ganz wirr finde ich übrigens Statements, die dem Jungen ein Verständnis von Leben und Tod absprechen. Er ist ja noch so jung und weiß doch gar nicht, was er getan hat. Ja, wenn er geistig behindert ist, wird er das nicht wissen. Aber ein normales 9-jähriges Kind dürfte mit dem Konzept von Leben und Tod, dass das eine nun mal ziemlich endgültig ist, erst recht, wenn man dem anderen eine Kugel in den Kopf jagt, durchaus vertraut sein. Andererseits: Amerika. Wen wundert es noch, da sind die Leute vielleicht nicht ganz so vertraut mit wichtigen Konzepten.

LG

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